Im Gespräch mit: NaBu Berlin

Für viele Verbraucher ist es eine Selbstverständlichkeit, in regelmäßigen Abständen ihre Handys gegen neue auszutauschen. Dabei ergeben sich ca. 80 Millionen ungenutzte Schubladenhandys in Deutschland und Unmengen von Elektromüll. Pindactica hat sich mit Verantwortlichen des NABU ( Naturschutzbund Deutschland e.V.) über Recyclingverfahren und den Wert alter Handys unterhalten.

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PINDACTICA: Wann hat der NABU mit dem Handyrecycling begonnen? Und was hat es damit auf sich?

NABU: Die Presse spricht von 80 Millionen ungenutzten Schubladenhandys in Deutschland. Es sind sogar mittlerweile 110 Mio. Althandys. Seit 2006 setzen wir uns dafür ein, Handys fachgerecht zu recyceln und damit mehr Elektrogeräte in den Materialkreislauf zurückzuführen. Es können 80% eines Handys wiederverwertet werden. Dadurch gehen wertvolle Rohstoffe nicht verloren. Dabei ist wichtig: Funktionierende Geräte bitte verkaufen oder länger nutzen!

PINDACTICA: Wie funktioniert das genau hier in Berlin? Wer ist ihr Kooperationspartner?

NABU: Seit 2011 führen wir das Handyrecycling gemeinsam mit unserem Kooperationspartner E-Plus durch. In Berlin gibt es viele Sammelstellen, die vom NABU Landesverband Berlin betreut werden. Diese sind über eine Postleitzahleneingabe auf unserer Webseite auffindbar.

PINDACTICA: Wie werden Handys überhaupt recycelt? Wie muss man sich das vorstellen – sitzt da jemand und schraubt die Teile einzeln auseinander?

NABU: Es gibt zwei Wege. Entweder, der Akku wird per Hand entnommen und das Telefon wird in einen großen Schmelzofen gegeben, aus dem die Metalle herausgeholt werden. Oder im Recyclingbetrieb werden Handys zunächst von einem Arbeiter zerlegt, in Platine, Gehäuse und Display. Danach werden die Leiterplaten maschinell zerkleinert und die einzelnen Metalle (Gold, Silber, Palladium, Kupfer, Aluminium, etc.) aussortiert. Der Rest ist ein buntes Gemisch aus Kunststoffen, Keramik, Flammschutzmitteln, Zinn und Nickel. Ein Teil kann wiederverwertet werden, der Rest wird unter Energieerzeugung verbrannt.

 

5.000 Handys = ein Kilogramm Gold

 

PINDACTICA: Was für unterschiedliche Möglichkeiten des Handyrecyclings gibt es denn?

NABU: Zur Zeit gibt es zwei führende Recyclingverfahren: Das oben beschriebene sofortige Schmelzen und das Vorbehandeln mit dem Schredder, auf Deutsch Zerkleinerer.

Beim Schmelzen werden in einem ersten Prozess Leiter-Platinen in einem Schmelzofen erhitzt. Am Ende werden 17 verschiedene Metalle gewonnen. Darunter sehr wertvolle wie Gold, Silber und Palladium, aber auch giftige wie Cadmium, was in Halbleitern verwendet wird, und zur Herstellung von Akkus dient. Dieses Schwermetall ist eines der wenigen Abfallprodukte beim Leiterplatten-Recycling. Zur Veranschaulichung: Aus 15.000 Handys können ein Kilogramm Gold gewonnen werden.  Beim Schreddern werden die Geräte komplett zerkleinert. Dabei werden Kunststoffgranulate und Metallstaub gewonnen.

PINDACTICA: Aus welchen Bestandteilen setzt sich so ein Handy zusammen? Und wie viele davon werden eigentlich recycelt?

NABU: Zur Herstellung von Gehäuse, Akkus, Displays, Tastaturen, Leiterplatten, Antennen, Lautsprecher oder Mikrofone werden über 60 verschiedene chemische Elemente benötigt, die weltweit abgebaut und gefertigt werden. Das Recycling hat noch längst nicht die Qualität erreicht, diese Elemente wieder nutzen zu können. Derzeit werden nur die Metalle, die Geld bringen recycelt; das sind die wertvollen und die, die in relativ großer Menge im Gerät zu finden sind, z.B. Kupfer. Kunststoff, Glas und Indium-Zinn-Oxid gehen nach wie vor verloren!

PINDACTICA: Der NABU bekommt für jedes gesammelte Handy Geld. Wie funktioniert das genau und was geschieht mit dem Geld?

NABU: Unser Partner E-Plus zahlt uns für jedes für uns beim Recycler eingesandte Handy 2,10 €. Der Erlös aus diesen Althandys fließt in unser Renaturierungsprojekt Untere Havel.

 

Renaturierungsprojekt Untere Havel

PINDACTICA: Was genau wird dort gemacht?

NABU: Die Havel war früher ein natürlicher Fluss mit einem Gewirr an Flussarmen, artenreichen Uferwäldern, Mooren und weitläufigen Wiesen. Doch Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Fluss zur Wasserstraße ausgebaut, Deiche und Staustufen wurden errichtet, Kanäle und Entwässerungsgräben angelegt. So verlor die Havel viele ihrer natürlichen Elemente. Um bessere Lebensbedingungen für die mehr als 1.100 Arten zu schaffen, hat der NABU 2005 das Renaturierungsprojekt ins Leben gerufen. In den kommenden Jahren wird die Untere Havel so ein Stück ihrer alten Struktur zurückerhalten. Viele Arten wie Fischotter, Eisvogel, Sumpfdotterblume und Silberweide finden so wieder einen besseren Lebensraum.

PINDACTICA: Kann man diesen Ort an der Havel, an dem der NABU aktiv ist, besuchen?

NABU: Der NABU ist zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf entlang von 90 Flusskilometern aktiv. Insgesamt ist das Projektgebiet etwa 19.000 Hektar groß. Ein Besuch der Havel und den Renaturierungsflächen lohnt sich in jedem Falle: An nicht vielen Orten auf dieser Welt kann man noch so einen klaren Sternenhimmel sehen, kann die Rohrdommel singen hören und Biber bei ihrem Burgenbau beobachten. Vor allem, wenn 2015 die Bundesgartenschau in der Havelregion stattfindet, wird man viele Maßnahmen des NABU-Havelprojekts bereits sehen können.

PINDACTICA: Vielen Dank!

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